Touren in den Landkreis Peine


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   Kultur-Tour: Jutetor Vechelde


Das Jutetor erinnert an die erste mechanische Jutespinnerei auf dem europäischen Festland, die im Jahre 1861 von dem Kaufmann Julius Spiegelberg aus Peine gegründet wurde. Sie ging aus einer 1853 ebenfalls von Spiegelberg errichteten Flachsbereitungsanstalt hervor und trug den Industrialisierungsprozess des 19. Jahrhunderts aufgrund günstiger Standortvorteile in den seinerzeit kleinen Ort Vechelde und die umliegenden Dörfer hinein. Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem 1. Weltkrieg veranlassten die Stillegung des Werkes im Jahre 1926. Fortan wurden die Gebäude durch die Braunschweigische Aktiengesellschaft für Jute- und Flachsindustrie und andere Firmen zu Produktions- und Lagerzwecken genutzt. Im Rahmen der städtebaulichen Sanierung sind die Fabrikgebäude im Jahre 1975 abgerissen worden. Erhalten geblieben sind lediglich der Torbogen der ehemaligen Jutespinnerei sowie die südlich davon gelegenen, im englischen Baustil errichteten ehemaligen Arbeiterwohnungen.

Eine weitere Bedeutung des Tores ist die Erinnerung an das in der ehemaligen Jutespinnerei in der Zeit vom September 1944 bis März 1945 eingerichtete Unterkommando des Konzentrationslagers Neuengamme bei Hamburg. Im Rahmen der deutschen Rüstungsproduktion wurden hier etwa 200 jüdische KZ-Häftlinge hauptsächlich polnischer und ungarischer Nationalität aus Auschwitz sowie andere Zwangsarbeiter unter menschenvernichtenden Bedingungen zur Arbeit im Fahrzeugbau der Firma Büssing gezwungen. Die Arbeitsbedingungen, mangelhafte Ernährung und Unterbringung, unzureichende hygienische Verhältnisse und fehlende ärztliche Versorgung forderten Todesopfer, deren Zahl durch den Evakuierungstransport kurz vor Kriegsende noch erheblich anstieg. Die wenigsten haben eine letzte Ruhestätte gefunden. Viele wurden im Braunschweiger Krematorium verbrannt; ihre Asche wurde verstreut. Der Leidensweg der Häftlinge fand sein Ende im Auffanglager Wöbbelin in Mecklenburg. Dort wurden sie am 2. Mai 1945 durch einen amerikanischen Truppenverband befreit.

Gehzeit vom Bahnhof ca. 15 Minuten.


Kontaktinfo Gemeinde Vechelde
Hildesheimer Straße 85
38159 Vechelde
Tel.: 05302/802-0
E-Mail: info@vechelde.de
Internet www.vechelde.de
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